Ehrenamtliche

Moderne Christen

Madeleine Delbrêl: „Sie wollen Jesus Christus sein!“

   „Ich bin gekommen, ein Feuer auf die Erde zu werfen...“ Dieses Feuer zu sein ist die Berufung der kontemplativen Seelen. Aber aus zeitgeschichtlichen Gründen – aus denen die Vorsehung Mittel zur Heiligwerdung gemacht hat - sind diese Seelen im Allgemeinen – oder sogar aus Prinzip - in „Festungen“ untergebracht. Gitter und große Mauern, die die Frauen einst vor Räubern schützen sollten oder sie aus anderen Gründen so entstanden sind, sind zu unverzichtbaren Dingen für diejenigen geworden, die die Entsagung leben und sich Gott ganz hingeben wollen.

   Von Zeit zu Zeit hat ein Funke den Bann gebrochen: Benedikt Labre ist durch die Straßen gelaufen, die heilige Caterina ist aus der warmen Stube ausgerissen. Diese Funken sprangen von Strohhalm zu Strohhalm – und die Halme haben sich leicht entzündet und sind zu Wegen geworden, auf denen sich das Evangelium Bahn schafft...

   So ist es unsere Berufung, ein Feuer zu sein, das sich in kleinen Funken versprüht und alles entzündet, was ihn unterwegs an Brennbarem begegnet.

   Aber die Funken, die die Halme entzünden, sind zu niemanden Bestimmten geschickt. Sie sind die kleinen Flammen dieses brennenden Dornbusches, der Jesus ist; sie wählen die Leute nicht aus, denen sie begegnen, sondern können gar nicht anders, als immer zu lieben, weil sie Jesus selbst sind. Die kleinen Taten der Liebe, die von ihnen verlangt werden, sind völlig zweckfrei. Sie führen sie aus, weil sie es nicht ertragen von Christus getrennt zu sein.

   Sie wollen nicht aufbauen, nicht bekehren, nicht heilen – sie wollen Jesus Christus sein. Aber dieser Jesus Christus hat schon immer die Liebe gewählt, um die Welt an sich zu ziehen. Jeder Vollzug dieser armen, einfachen Liebe gießt überall dort Leben aus, wo Christus sich für etwas interessiert.

                                                                       (unveröffentlicht: Madeleine parle de notre vie)