Besuch mit Jugendlichen in Oswiecim

Oswiecim 2019 01„Und warum seid Ihr nach Auschwitz gekommen?“ fragt Janusz Marsalek, ehemaliger Bürgermeister von Oswiecim die 8 Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Kamen am ersten Abend. „Was wir in den Geschichtsbüchern lesen und in Filmen sehen können, ist irgendwie immer noch so weit weg. Ich will das mal mit eigenen Augen sehen und ich will die Orte anfassen, wo so viel Schreckliches und Grausames geschehen ist!“ antwortet Michel.

Vom 13.- 17. Mai 2019 war sie mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, zwei Lehrerinnen und Pastor Meinolf Wacker auf geschichtlichen Pfaden unterwegs. Nach dem Besuch des Stammlagers in Auschwitz und dem Lager in Birkenau waren die Schüler so betroffen und geschockt, dass sie baten, am Nachmittag des Tages nochmals in kleinen Gruppen ins Stammlager gehen zu können. Sie wollten das Gesehene und Erlebte nochmals in Stille anzuschauen und verarbeiten.

Oswiecim 2019 03Auch die Ausstellung der Bilder von Marian Kolodziej ging unter die Haut. Er war mit dem ersten Sammeltransport als polnischer Pfadfinder ins Konzentrationslager gebracht worden und hatte bis zum Ende des Lagers überlebt. Die Gräuel, die er all die Jahre im Lager durchgemacht hatte, waren für ihn über lange Jahre nicht besprechbar. Wie abgekapselt barg er sie als schwere Bürde in sich. Auch seiner Frau erzählte er nie davon. Ein Schlaganfall nach über 50 Jahren ließ ihn sich dann neu aufstellen und er begann zu zeichnen. Mit Millionen Bleistrich-Linien begann er Zeugnis zu geben von dem Grauen von Auschwitz und von Menschen wie Pater Maximilian Kolbe, die für ihn und für vieleZeugen der Hoffnung waren – mitten in der Hölle von Auschwitz.

Neben dem Besuch des jüdischen Museums in Oswiecim gehörte auch eine Tagesreise nach Krakau zum Programm der Fahrt. Mit Referaten zu Schindlers Fabrik (1), zur Geschichte des Wawel (2), zu dem Rybnik und den Tuchhallen (3) und dem jüdischen Ghetto (4) hatten sich die Schülerinnen und Schüler auf diesen Besuch vorbereitet. Am Ende dieser prägenden und bewegenden Tage kam die Frage: „Können wir so eine Fahrt in dieser Gruppe nicht nochmals machen?“ Auf die Nachfrage, wann das sein solle, kam es wie aus der Pistole geschossen: „Am besten gleich morgen!“ Aber da war erst einmal Ausschlafen angesagt.